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Denn Sie kennen die Liebe nicht
6. Der Markt Freudig erregt ziehen sie ein, die Holländer, am Markt. Hübsch in Zweierreihen, freudig vibrierend wie die Bienen, die Frauen, und in Erwartung der Lustbarkeiten für die Wohnungsverkitschung zu Hause. Mit grimmiger Vorkonzentration auf das Gefeilsche die Männer, und in Erwartung des übers Ohr gehauen werdens. Also die besten Vorbereitungen für den Herzinfarkt. Die van Bilsens haben sich mit den Huelsens angefreundet und ziehen gemeinsam los. Tom van Bilsen klärt die Freunde auf, daß man den Markt schon aus Sicherheitsgründen strategisch angehen müsse. Also einmal rauf und einmal runter. Mit dem Spickzettel, um Preise zu vergleichen, obwohl er doch weiß, daß seine Hertha bereits nach dem ersten Drittel freudig aufstöhnen wird. Da hilft dann keine Strategie mehr - gegen Hertha. Da regiert dann nur mehr die Angst. Die Angst daß einem die Huelsens oder weiß Gott wer dieses kleine Fischerboot in rot, mit gelbem Segel, wegkaufen wird wenn man nicht aufpaßt. Und da hilft dann wirklich gegen Hertha nichts mehr. Tom hat keine Chance. Der Händler hat‘s bereits geschnallt. Listig lugt er hinter den Augenbrauen hervor. Sein Grinsen verhöhnt ihn richtig, den Tom. Viertausend Escudos soll er kosten, der Kitsch für den Wohnzimmerschrank. Hertha weiß schon wo er hinkommt. Zwischen der venezianischen Gondel mit Weihnachtsbeleuchtung und der knicksenden Rokoko-Dame aus Wien. Erst zu Hause hatten sie bei ihr den Aufkleber – Made in China – entdeckt, wo sie doch dachten, es wäre echtes Augarten Porzellan. Ohne das Tom überhaupt gefeilscht hat bietet ihm der Händler 3600 an und grinst noch breiter. Seine Handbewegungen sind unmißverständlich. Kein Handeln. Tom seufzt ob der Schmach, daß der Händler sie überzuckert hat. Na was soll‘s, es ist ja Urlaub. Bloß konnte Tom bis jetzt noch keinem zeigen, daß er einfach der Beste ist, im Verhandeln. Einen anderen so richtig zur Sau machen kann. Er nimmt sich vor, den nächsten Händler richtig scharf anzufliegen. Was bilden sich die eigentlich ein, die Bloßhapperten. ihn zu verhöhnen. Und jetzt ist es passiert. Hertha und Frau Huelsen liegen sich fast in der Haaren. Frau Huelsen, Greta, hat ihn entdeckt, den Teppich ihres Lebens. Auch sie weiß schon wo er hinkommt. Vors Klo natürlich. Hertha schaut Hilfe suchend zu Tom à la „Tu doch was, das kannst Du mir doch nicht antun lassen“. Also Tom schreitet ein. Er hat echt keine Idee was er machen soll. Herr Huelsen feilscht noch mit dem Händler. Von vierhunderttausend auf zweihundertfünfzig runter. Top, Huelsen hat ihn. Was für ein Geschäft. Für Tom bricht eine Welt zusammen. Verächtlich blickt ihn Hertha an. Was hätte er denn bloß tun sollen, der Tom. Wie zufällig räumt der Händler seine Teppiche um. Tom‘s verzweifelter Blick erhascht zufällig(?) einen. Der sieht ja genauso aus. Bloß die Farben sind kräftiger. Den muß er haben. Der Händler lächelt verständnisvoll und versucht gar nicht zu handeln. Zweihundertfünfzigtausend und Tom hat ihn. Das Geschäft seines Lebens, ein echter Berber. Und das Wichtigste: Hertha ist richtig stolz auf ihn. (Wenn der wüßte, daß es die Teppiche zu Hause beim Großkauf um ein Drittel zu kaufen gibt) Am Ende des Marktes, der Gemüsemarkt. In einer Ecke, am kleinen Stand, eine Bäuerin. Mit Ihrem Fahrrad und dem Anhänger ist sie in der Nacht von ihrem kleinen Ort zwanzig Kilometer weit nach Fuzeta zum Markt gefahren. Geld für eine Mopeddreirad oder ein Auto hat sie lang nicht mehr. Sie ist Witwe und hat immer am Hof gearbeitet. Ihr Mann, der mit einer kleinen Rente den Hof erhalten hat, ist vor einem Monat gestorben. Und mit ihm auch die Rente. Sie ist zum zweiten Mal in ihrem Leben in Fuzeta. Verzweifelt, das letzte Aufgebot um doch noch das Lebensnotwendigste für diesen Monat kaufen zu können, hat sie ihre besten Erdbeeren und Gurken mitgebracht. Den Rest hat sie zu Saft zerdrückt und konserviert, um etwas zu haben, wenn der Hunger sie drückt. Fassungslos hat sie das kleine Fischerdorf Fuzeta wiedergesehen, das erste Mal nach ihrer Hochzeitsreise zum Meer. Die von der Regierung mit Geldern der Europäischen Union in Auftrag gegebenen Uferpromenade. So etwas Glanzvolles hat sie noch nie gesehen. Die Steine, kunstvoll gelegt, überall Nirosta-Geländer die glänzen wie Silber. Traurig hat sie über die Mole in die Bracke gesehen, den Moder der Ebbe gerochen und gedacht „Und wer kümmert sich um mich?“ Tom van Bilsen hat sich jetzt bis zum Gemüsemarkt durchgekämpft. Hertha wünscht Erdbeeren. Soll sie haben. Tom, gestärkt durch den Teppich, geht so richtig los. Wie ein Stier. Sein Blick fällt auf Erdbeeren, klein, mickrig. 250 na gut, was soll‘s. Kann er sich behalten um den Preis. Schauen wird doch mal zu der zerlumpten Bäuerin da ans Eck. Was soll das denn überhaupt für ein Angebot sein? Hat die nur Erdbeeren und Gurken?. Faules Gesindel in dem Land. Da wächst sowieso alles. Soll sie doch Kiwis anbauen. Aber die Erdbeeren, groß und saftig, die wären was für Hertha. Was? 350 pro Kilo das darf doch nicht wahr sein. Wie war das mit dem Umrechnen. Durch hundert und dann hast du D-Mark. Also drei Mark fünfzig das Kilo. Da kann man doch handeln. Anfangen bei 175 und stur bleiben. Stur bleiben, das ist die Chance. Er bemerkt nicht die Trauer in den Augen der Bäuerin, nicht die kleine Träne die sie in ihrem Augenwinkel zerdrückt als sie bei 250 handelseins werden. Und kein Käse diesen Monat. Maria, der Bauer von nebenan in ihrem Dorf, hätte ihn ihr gegeben um die 200 Escudos die ihr dieser Fremde abnimmt. Aber gleich ist Marktschluß. Und mitnehmen kann sie die Erdbeeren nicht wieder, das würden Sie nicht überstehen, am Fahrradhänger – es ist schon zu heiß. Und Hertha? Strahlt in an, den Tom, ihren Helden. Und wie er sie niedergerungen hat, die zerlumpte Zigeunerin. Er ist doch der Größte. Sie trippelt zu ihm hin und gibt ihm einen Kuß auf die Wange. Es tut ihm gut wenn Sie richtig stolz auf ihn ist, seine Hertha. Hertha war hungrig. Volle drei Stunden waren sie durch den Markt geschlendert. Alle Lebensmittel und Sonstiges war gekauft, im Wohnmobil verstaut und die Füße spielten auch nicht mehr so mit. Aber auch die Auswahl des Lokales muß wohl erwogen sein. Man will ja nicht betrogen oder vergiftet werden. Aber Tom wird‘s schon wissen. „Nicht, Tom?“ Tom, der Tom weiß es. Er schlägt vor, doch das Zentrum zu meiden und eher am Rande des Zentrums so eine verträumt enge Gasse zu nehmen, wo die Touristen nicht hinkommen. Sind doch alle viel zu faul zum Laufen. Hertha ist froh über Tom. Der weiß wie man das macht. Aber nun latschen sie schon zwei Stunden außerhalb des Zentrums rum. Hertha wird das langsam zu viel. Gezielt steuert Tom ein kleines unscheinbares Restaurant an mit blauen Markisen, wo man auf der Straße sitzen kann. Nein, sieht das romantisch aus. Mißtrauisch lugt er im vorbeigehen auf die Gäste. Die sehen alle wie Portugiesen aus. Das ist es!. Die Huelsens sinken erleichtert in die wackligen Sessel. Herrn Huelsen rinnt der Schweiß der Wanderschaft von der Stirn. Erleichtert wischt er sich diesen mit dem Taschentuch ab. So ein lahmer Hund denkt sich Tom. Wenn man was erleben möchte, und nicht übers Ohr gehauen werden will, muß man doch was tun dafür, oder? Na also. Was jetzt folgen muß? Nun, ich überlasse es ihrer Phantasie. |
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